Sich gezielt über Klima und Nachhaltigkeit informieren – im Mediendschungel, teils mit polemischen Stimmen, verwirrenden Talksendungen und Tröpfchen-Wissenden, geht man da schnell verloren. Hier helfen ein paar valide Quellen. Sie geben einen klaren Überblick aus wissenschaftlichen Fakten, sodass man die Zusammenhänge klar erkennen kann. Und sie zeigen Möglichkeiten, wie sich die Klimaziele doch noch erreichen lassen.

 

Zugegeben, ich habe mich schon oft in den Medien verrannt beim Thema Klima und Umweltschutz. Widersprüchliche Aussagen führen leicht zu Frust und Ratlosigkeit. Dabei will man ja nur verstehen, um sich eine klare Meinung bilden und auch selbst handeln zu können. Ohne nebenbei noch ein Studium absolvieren zu müssen.

Aber es gibt sie: informative, wissenschaftsbasierte Quellen, übersichtlich und klar dargestellt. Hier eine Auswahl, die kompaktes Übersichtswissen bieten (natürlich könnte man die Liste noch erweitern):

 

Quellen für prägnante Information: eine Auswahl

 

  • Klimafakten: Als Partner der Helmholtz Klima Initiative mit 15 wissenschaftlichen Zentren beruhen die fortlaufend aktualisierten Beiträge großenteils auf den Sachstandsberichten des Weltklimarats (IPCC)

klimafakten.de; Basiswissen

 

  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Website mit klarer Darstellung der Fakten sowie Zusammenhänge zwischen Klima und Wirtschaft

Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

 

  • Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften: Als Vertreter der deutschen Wissenschaft im Ausland und Beratung für Politik und Öffentlichkeit bietet die Akademie übergreifende Informationen zu den Themen

Leopoldina: Klimaforschung und Klimawandel

 

  • Earth League: Stellungnahmen und Key Facts zu Themen, die im Zusammenhang mit dem globlen Wandel stehen. Launch mit der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCC) auf der aktuellen COP.

10 New Insights in Climate Change

 

Detailliertere Hintergrund-Informationen lassen sich dem IPCC-Report 2022 und dem UN Emissions Gap Report 2022 entnehmen (eine knappe Zusammenfassung des letzten ICPP-Berichts bietet das Umweltbundesamt).

 

Teeplantage, Malaysia (Foto: Simone Giesler)

Teeplantage, Malaysia (Foto: Simone Giesler)

 

LEBENDIG und EINPRÄGSAM:

  • Podcast „Klimabericht“ – Der Spiegel-Podcast zur Lage des Planeten: Einzelne Themen informativ und leicht verständlich aufbereitet, meist begleitet von Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen.

Klimabericht – der Spiegel Podcast

KlimaArena Sinsheim

KlimaArena Sinsheim (Foto: Simone Giesler)

 

  • Visuell und interaktiv: In der Rhein-Neckar-Region bietet die interaktive Ausstellung KlimaArena ein spannendes Angebot. Sie richtet sich vor allem an Lehrkräfte, SchülerInnen und Familien mit Kindern. Aber auch Erwachsene können profitieren, wie ich selbst erlebt habe. Wissen sowie Technologieoffenheit lässt sich breit fördern– vor allem dann, wenn noch immer Frontalschulbildung wie zu Opas Zeiten vorherrscht.

KlimaArena Sinsheim

 

Technologie und gesellschaftliches Handeln gehören untrennbar zusammen

Die genannten Quellen zeigen, was ist. Und auch, dass Technologie und gesellschaftlichen Handeln zum sofortigen Zeitpunkt untrennbar zusammengehören. Sich allein auf technologischen Fortschritt oder gar Anpassung (oftmals polemisiert als evolutionärer Schritt) zu verlassen, bedeutet nun mal das Sterben vieler Menschen und ganzer Ökosysteme. Von Kriegen und weitreichenden Potenzialen für Autokraten ganz zu schweigen. Wir sind alle in der Verantwortung, Verantwortungsbewusstsein beginnt in jeden einzelnen Kopf. Konzerne, Firmen und Start-ups müssen jetzt umgestalten.

Valide Informationen als Basis geben genau das, was wir brauchen: Hoffnung und Lust, jetzt anzupacken, etwas bewegen und gestalten – nämlich unseren Planeten, den einzigen, den wir zum Leben haben (diejenigen, die einen anderen besiedeln wollen, dürfen das gerne tun). Zeit für weiteres Verschlafen wäre verantwortungslos und protektionistisch. Protektionistisch für was eigentlich? Die Not-in-my-backyard-Denke und Bestandsbewahrung hat ja keinen Bestand, die Veränderung kommt ohnehin.

 

Deutsche Bahn

Deutsche Bahn (© Daniel Abadia / unsplash)

 

Die Basis für wertvolles Handeln

Agiles, nachhaltiges Bewegen ist das, was wahren Wert hat. Unsere persönliche Energie lässt sich mit einem klaren Blick effektiv nutzen. Wer will schon Energie in Negativnachrichten, Schuldzuweisungen und Moralapostelei verschwenden. Energie, die – pfff – sich schnell entlädt, ohne sich in etwas Nutzbaren umgewandelt zu haben.

Offen sein für neue Chancen eröffnet Potenziale für das, was wir brauchen: Es fängt beim bewussten Handeln eines Einzelnen an und geht in Gruppendynamiken über. Nutzung von ÖPN, Überdenken von Einkaufszetteln und -wegen, überschwappende PV-Anlagen im Freundeskreis, immer wieder Verlautbaren von schnell umsetzbaren Möglichkeiten – schließlich zählen unsere Stimmen dann doch. Die Politik muss die Punkte immer häufiger diskutieren, verteidigen – die zeitnah umsetzbaren Einzellösungen sind kein blinder Fleck mehr. Egal, ob es um Mehrwertsteuersenkungen für vegane Nahrungsmittel geht, um günstige ÖPNV-Tickets und Schienennetzausbau oder Tempolimit. Ja, auch einige Autokonzerne fordern inzwischen ein Tempolimit – wenn auch aus intrinsischem Druck heraus. Das Ziel ist letztendlich immer das gleiche: schnelle CO2-Reduktion, um wenigstens noch das 2° Ziel zu erreichen.

 

Die Rechnung zu Ende denken

Gleichzeitig mit schnell umsetzbaren Lösungen sind längerfristige Investitionen nötig, die zeitintensiver sind und deshalb jetzt forciert werden müssen. Und klar: Sie sind kostspielig. Wer glaubt, Klimaschutz und Erhaltung unseres Planeten seien günstig, liegt falsch. Jedoch nur für den Moment: Preist man aber die Folgekosten ein, die durch Nichteinhalten der Klimaziele entstehen, sieht es ganz anders aus. Hinterher-Aufräumen ist schon immer teurer gewesen. Nur: Ohne Handeln kommt man dann dem Aufräumen nicht mal mehr hinterher. Wenn ganze Landstriche überschwemmt oder verbrannt sind, der Boden vertrocknet und verarmt ist und Ökosysteme zerstört sind. Wenn Dürre und Hitze Menschenleben kosten. Man kennt es, das unliebsame Wort, die Kipppunkte. Pate dafür stehen eingebrochene, geschmolzene Arktis-Eisschilde. Die durch wärmere Wassertemperaturen den Jetstream beeinflussen. Und somit festhängende Wetterlagen mit verheerenden Auswirkungen bedeuten.

Das Erreichen der Klimaziele ist nun mal die einzige Option, die wir haben. Viele der Wege dazu kennen wir schon lange, wie Ausbau der erneuerbaren Energien, Ausbau des Schienennetzes und ÖPNV, Transformation der Landwirtschaft – und der Gesellschaft. Manche Berufe werden verschwinden, das rechtzeitige Umlenken in zukunftsträchtige und benötigte Berufsfelder muss verdeutlicht und geführt werden.

 

 

Windenergiepark

Windenergiepark (© Zbynek Burival / unsplash)

 

Vorwärtsgewandt bei Klima und Nachhaltigkeit

Es ist klar: Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen. Das demokratische Wählerstimmensystem mag da als Hürde erscheinen. Ist es das? Inzwischen haben alle, auch auf Managerebene, verstanden, dass der Klimawandel eine ernste Situation darstellt. Um dem geordnet und mit Perspektiven entgegenzutreten, braucht es nun mal eine agile Politik, die den Rahmen vorgibt, selbst wenn einiges zunächst unbequem erscheint. Die Veränderung kommt eh. Vier-Jahres-Denke mit Bestandsbewahrungsattitüde ist hingegen längst aus dem Rahmen gefallen.

Eine vorwärtsgewandte Politik mit zukunftsträchtigen Investitionen und Abbau schädlicher Subventionen ist das eine. Wir aber können unserer Stimme Ausdruck geben, mitdenken und mitgestalten. Die stabile Basis dazu stellen valide Informationen. Hat uns der Dauerreiz überschwemmender Medienflut noch gelähmt, können fundierte Daten einen klaren Blick und ein Ruck-Gefühl geben. Man nimmt plötzlich Lösungen wahr, ob als Einzelperson oder Wirtschaftsgröße. Ein wachsender Anteil der Industrie ist beim nachhaltigen Handeln schon einen beherzten Schritt weiter als die Politik. Ob es um Versorgung mit erneuerbarer Energie geht, Installation großer Wärmepumpen, Wasserstofftechnologie, Kreislaufwirtschaft in puncto Energiequellen, seltenen Erden bis hin zu Kunststoffen und Plastikverpackung. Teils ergänzt durch Zertifikathandel.

Gleichzeitig muss das CO2, das bereits im Boden eingelagert ist, dort verbleiben – weshalb dem Wiedervernässen der Moore eine extrem große Bedeutung zukommt (siehe Artikel unten). Zusätzlich wird bei allen CO2-Budget-Berechnungen bereits miteingepreist, dass bereits emittiertes CO2 aus der Atmosphäre entnommen wird. Über die gesamte Zeit seit der Industrialisierung ist Deutschland übrigens sechstgrößter CO2-Emittent – auch hier stehen wir in der Verantwortung. Vorreiterollen sind wichtiger denn je. Mit dem Ansatz Biokohle in Kombination mit Agroforst bietet sich eine interessante Möglichkeit, das Kohlenstoffdioxid wieder unter die Erde zu bringen, wie z. B. das Großprojekt Landwirtschaft 5.0 darlegt.

 

Informieren ist der erste, wichtige Ansatz. Vielleicht entspringen neben hinterfragtem Handeln im Kleinen oder Großen auch zündende, neue Ideen. Kreativität steckt schließlich in unseren Genen. Wir sind jetzt ja solar…sorry, sensibilisiert, Erfindungen und Entwicklungen mit Leuchtkraft lassen wir uns nicht mehr nehmen und setzen sie dann direkt um.

 

Titelbild: © Sorin Gheorhita / unsplash

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