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	<title>HIV Archive - Redaktion Text Idee</title>
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	<description>Redaktionsbüro Simone Giesler</description>
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		<title>Nobelpreis für Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas9 – Was ist das überhaupt?</title>
		<link>https://redaktion-text-idee.de/nobelpreis-fuer-chemie-crispr-cas9/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Simone_Giesler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Oct 2020 14:55:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Life Sciences / Medizin-, Biotech]]></category>
		<category><![CDATA[CRISPR]]></category>
		<category><![CDATA[Designer-Babys]]></category>
		<category><![CDATA[Erbkrankheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Nobelpreis für Chemie 2020 zeichnet Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna für die Entwicklung einer Methode zur Erbgut-Veränderung aus. Die Möglichkeiten der Genschere CRISPR/Cas9 in der Therapie z. B. von Krebs- Erbkrankheiten sind riesig – gleichzeitig gibt es auch Gefahren. Doch was ist das Gen-Werkzeug überhaupt?   Sprengkraft hat er, der auf den Dynamiterfinder und  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://redaktion-text-idee.de/nobelpreis-fuer-chemie-crispr-cas9/">Nobelpreis für Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas9 – Was ist das überhaupt?</a> erschien zuerst auf <a href="https://redaktion-text-idee.de">Redaktion Text Idee</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Nobelpreis für Chemie 2020 zeichnet Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna für die Entwicklung einer Methode zur Erbgut-Veränderung aus. Die Möglichkeiten der Genschere CRISPR/Cas9 in der Therapie z. B. von Krebs- Erbkrankheiten sind riesig – gleichzeitig gibt es auch Gefahren. Doch was ist das Gen-Werkzeug überhaupt?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sprengkraft hat er, der auf den Dynamiterfinder und Chemiker Alfred Nobel zurückgehende Nobelpreis. Und das auch in diesem Jahr, wie in der Kategorie Chemie: Seit der Entdeckung der Genschere CRISPR/Cas9 im Jahr 2012 gibt es eine Flut an wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Diskussionen. <a href="https://www.nature.com/articles/d41586-020-02765-9" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die beiden Entdeckerinnen</a> Emmanuelle Charpentier, derzeit Leiterin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin, und Jennifer Doudna, Professorin an der University of California in Berkeley, haben mit der CRISPR/Cas9-Methode ein neues Feld in der Biotechnologie und Gentechnik geschaffen. Mit dieser Methode lässt sich das Erbgut aller Lebewesen schneller und gezielter verändern als je zuvor.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #808080;"><strong>Woher kommt das Werkzeu<span style="color: #808080;">g </span></strong><strong>CRISPR/Cas9 </strong><strong>?</strong></span></h3>
<p>Ursprünglich stammt das CRISPR/Cas-System aus Bakterien: Es dient ihnen als natürlichen Mechanismus, mit dem sie sich vor schädlichen Viren schützen. Dazu spalten die bakteriellen Cas-Proteine die eingedrungene Virus-DNA in kleine Fragmente auf. Diese werden dann in einem bestimmten Abschnitt im Bakterien-Erbgut aus kurzen, sich wiederholenden DNA-Sequenzen eingefügt – wie eine neue Buchreihe im (haptischen) Bücherregal. Man nennt diesen Abschnitt CRISPR (<em>Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats</em>). Werden die Bakterien erneut von diesen Viren befallen, werden die CRISPR-Abschnitte in RNA umgeschrieben. Diese inspiziert dann die Viren-DNA: Ist die Virus-DNA mit dem gespeicherten Abschnitt identisch, wird sie durch die Cas-Proteine zerschnitten – und dem Virus der Garaus gemacht.</p>
<p>Erst die Entdeckung des vollständigen Systems verschaffte den Wissenschaftlerinnen Doudna und Charpentier den Durchbruch. Somit konnten sie die „Genschere“ konstruieren, bestehend aus der DNA-Sequenz, einer RNA für das Erkennen der Fremd-DNA, und dem Schneide-Enzyms Cas.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #808080;"><strong>CRISPR/Cas9 – das Tool</strong></span></h3>
<p>Doch was genau macht das System? Es handelt sich hierbei um ein präzises Schneide-Instrument, das punktuelle Veränderungen der DNA ermöglicht.</p>
<p>Das Genome Editing-Verfahren läuft in drei Schritten ab:</p>
<ol>
<li>Detektivarbeit: Der CRISPR-Abschnitt erkennt das jeweilige Ziel, d. h. eine bestimmte DNA-Sequenz im gewünschten Gen. Damit genau die Stelle gefunden wird, bei der eine Änderung durchgeführt werden soll, wird eine passende „Sonde“ aus RNA-Abschnitten konstruiert. Sie entspricht der DNA-Abfolge der gewünschten Zielsequenz. Hat die Sonde die Zielsequenz gefunden, dockt sie dort an.</li>
<li>Der Cut: An dem CRISPR-Abschnitt ist ein Protein, Cas9, gekoppelt. Es schneidet den DNA-Doppelstrang exakt an der angedockten Stelle, der gewünschten Zielsequenz.</li>
<li>Reparatur und Modifikation: Die zelleigenen Reparatursysteme verknüpfen den durchtrennten DNA-Strang wieder. In diesem Schritt können einzelne DNA-Bausteine entfernt oder modifiziert werden. Zudem lassen sich auch kurze DNA-Sequenzen neu einbauen. So lässt sich das Gen ausschalten oder die DNA anschließend „umschreiben“, also eine gezielte Änderung in der Basenabfolge einführen.</li>
</ol>
<p>Das Verfahren funktioniert grundsätzlich bei allen Organismen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #808080;"><strong>Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung<br />
</strong></span></h3>
<p>Verglichen mit anderen Genome Editing-Verfahren lässt sich die CRISPR/Cas-Methode viel schneller, einfacher und kostengünstiger durchführen. Zudem funktioniert sie präziser, unbeabsichtigte Schnitte im DNA-Strang außerhalb der Zielregion sind seltener.</p>
<p>Bei der klassischen Gentechnik, wie sie in der Pflanzenzüchtung angewandt wird, ist es hingegen vom Zufall abhängig, an welcher Stelle im Genom das neue, zusätzliche Gen integriert wird. Der ungezielte Einbau des Fremdgens an irgendeiner Stelle kann somit die Gen-Funktionen beeinträchtigen. Deshalb sind für gentechnisch veränderte (gv-)Pflanzen in den meisten Ländern aufwändige Zulassungsverfahren vorgeschrieben. Die Hersteller müssen vor der Markteinführung die Sicherheit ihrer Produkte nachweisen. Eine solche Zulassung für gv-Pflanzen benötigt viel Zeit und verschlingt enorme Kosten, sodass solche Entwicklungen meist nur Großkonzerne ermöglichen können.</p>
<p>In der molekularen Pflanzenzüchtung ist das Verfahren dann sicher und zielführend, wenn nur diejenigen Pflanzen verwendet werden, die genau die gewünschte Mutation tragen. Es werden bereits Experimente durchgeführt, etwa um bestimmte Pflanzen resistent gegen Viren zu machen oder auch Gluten-arme Weizensorten herstellen zu können. Auch könnten sich Pestizide einsparen lassen und ein höherer Ertrag erzielen lassen. <a href="https://www.transgen.de/aktuell/2723.publikationen-genome-editing-crispr.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die meisten Studien</a> kommen aus China, gefolgt von den USA. Während in den USA bereits einige Freisetzungsversuche mit CRISPR-Pflanzen im Gange oder geplant sind, ist das <a href="https://redaktion-text-idee.de/crispr-cas/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorgehen in Europa streng reguliert</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #808080;"><strong>Medizinische Grundlagenforschung durch CRISPR/Cas9: Perspektiven<br />
</strong></span></h3>
<p>Bedeutsam ist die Methode vor allem für die medizinische Grundlagenforschung. So könnten bestimmte Genfunktionen, die bisher nicht klar verstanden sind, aufgeklärt werden. Weil die Methode so spezifisch ist und man bis dato wenige bis keine gefährlichen Veränderungen entdeckt hat, wurden vielfache Versuche mit gesunden Spenderzellen vorgenommen. Das Ziel ist klar: Für spezielle Therapien könnte man bald auch in klinische Studien starten. Bereits letztes Jahr war es soweit: Bei einer Patientin mit Sichelzellanämie wurde die <a href="https://transkript.de/news/crispr-therapie-schlaegt-bei-regensburger-patientin-an.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">weltweit erste unternehmensfinanzierte Therapie mit der Genschere CRISPR</a> an einem Menschen durchgeführt. Dazu wurden der Patientin Milliarden von Blutstammzellen aus dem Knochenmark entnommen und im Labor mit der CRISPR/Cas-Methode genetisch verändert. Anschließend erhielt die Patientin eine Chemotherapie, um im Körper das Knochenmark mit dem Gendefekt zu eliminieren. Einige Zeit danach wurden die im Labor genveränderten Zellen zurück in den Körper der Patientin geleitet.</p>
<p>Auch in der Diagnostik kann die Methode zukünftig eingesetzt werden, z. B. als Schnelltest für Virusnachweis wie etwa das neue Coronavirus. Dabei kann der CRISPR-basierte Test durch Austausch der „Suchschablone“ in der CRISPR-Sequenz schnell an den jeweiligen Virus angepasst werden. Wann der entwickelte SARS-CoV2-Test offiziell zugelassen und ausreichend verfügbar sein wird, ist aktuell noch offen (<a href="https://www.nature.com/articles/s41587-020-0513-4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nature Biology, 2020</a>).</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #808080;"><strong>Welche Gefahren gibt es?</strong></span></h3>
<p>Bei all den aussichtsreichen Perspektiven ist das Verfahren jedoch umstritten, da bereits eine geringe Fehlerrate fatale Folgen haben kann, wie etwa unkontrolliertes Zellwachstum. Auch können durch eine gezielte Veränderung von Keimzellen mit CRISPR-Cas eingebrachte Mutationen an Nachkommen weitergegeben werden. Potenziell auftretende Fehler können so für immer im Erbgut gespeichert sein. Auch werden ethische Fragen aufgeworfen. Denn es muss unterschieden werden, ob das Werkzeug eine bahnbrechende Methode zur Behandlung einer schweren Krankheit darstellt oder als „Designer-Update“ missbraucht werden kann. In China gab es im November 2018 einen ersten Fall, bei dem ein Wissenschaftler in das Genom von zwei Babys noch im Embryonenstadium eingegriffen hatte, um sie vor einer möglichen HIV-Infektion zu schützen (<a href="https://www.nature.com/articles/d41586-020-00001-y" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nature-Artikel</a>, 2020). Zuvor gab es zwar bereits Experimente mit Embryonen, jedoch nicht mit lebenden, die dann ausgetragen wurden. Wenn solch eine Manipulation in Keimzellen oder im sehr frühen Embryo-Stadium erfolgt, wird sie auch an die folgenden Generationen weitergegeben. Es ist ein Eingriff in die Keimbahn – und somit ein Überschreiten ethischer Grenzen. Dieser Eingriff ist international verurteilt worden.</p>
<p>Zur Regulierung ist zum Beispiel auch das WHO-Expertengremium gefordert, wie auch das <a href="https://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/crispr-199343.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesinstitut für Risikobewertung</a> und viele weitere Gremien. Denn wie bei vielen anderen hochtechnologischen Errungenschaften ist es wichtig, den Nutzen klar herauszustellen und Risiken auszuschließen sowie Missbrauch zu verhindern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Passend zum Thema: <a href="https://redaktion-text-idee.de/crispr-cas/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CRISPR/Cas auf dem Europäischen Gerichtshof</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://redaktion-text-idee.de/nobelpreis-fuer-chemie-crispr-cas9/">Nobelpreis für Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas9 – Was ist das überhaupt?</a> erschien zuerst auf <a href="https://redaktion-text-idee.de">Redaktion Text Idee</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>CRISPR/Cas auf dem Europäischen Gerichtshof</title>
		<link>https://redaktion-text-idee.de/crispr-cas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Simone_Giesler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Aug 2018 19:53:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Life Sciences / Medizin-, Biotech]]></category>
		<category><![CDATA[Baby nach Maß]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verfahren zur Änderung des Erbguts stehen schon seit langem im Fokus der Wissenschaft und Öffentlichkeit. So auch die neue Methode CRISPR/Cas. Deshalb hat man das Urteil über die rechtliche Einordnung von Genome Editing Verfahren mit Spannung erwartet. Nun ist es soweit: Der Europäische Gerichtshof hat Organismen, die durch Mutagenese entstanden sind, als gentechnisch veränderte  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://redaktion-text-idee.de/crispr-cas/">CRISPR/Cas auf dem Europäischen Gerichtshof</a> erschien zuerst auf <a href="https://redaktion-text-idee.de">Redaktion Text Idee</a>.</p>
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<h3><strong>Die Genschere CRISPR/Cas</strong></h3>
<p>Unter das neue Gesetz fallen somit auch Organismen, die durch CRISPR/Cas entstanden sind. Dieses Verfahren ist ein Meilenstein in der Geschichte des Genom-Editings. Mit ihm lässt sich das Erbgut aller Lebewesen schneller, gezielter und günstiger verändern als je zuvor. Das molekularbiologische Werkzeug wurde ursprünglich als Abwehrmechanismus von Bakterien gegen Viren entdeckt. Es kann das Erbgut an einer gewünschten Stelle exakt schneiden und Gene ausschalten oder verändern.</p>
<h4>Woraus besteht das Tool, die sogenannte „Genschere“?</h4>
<p>Zum einem aus einer bestimmten genetischen Basenabfolge auf der DNA, der Sonde CRISPR. Der Name CRISPR mag nach krossem Müsli klingen, er steht aber für „clustered regularly interspaced short palindromic repeats“. Eine DNA-Sonde, die wie eine postalische Adresse wirkt und an einer bestimmten Stelle andockt.</p>
<p>Zum anderem besteht das genetische Werkzeug aus einem Enzym Cas, das die DNA direkt an dieser angedockten Stelle schneidet.</p>
<h4>Welche Möglichkeitet bietet das Werkzeug?</h4>
<p>Die Sonde lässt sich mit dem passenden biologischen Code für ein gewünschtes Gen ausstatten. Sobald auf der DNA in der Zelle dieser gesuchte Genabschnitt mithilfe der Sonde gefunden ist, lässt sich mit der „Gen-Schere“ an exakt dieser Stelle einen präzisen Schnitt setzen. So lässt sich das Gen ausschalten oder die DNA anschließend „umschreiben“, also eine gezielte Änderung in der Basenabfolge einführen.</p>
<h3><strong>Anwendungsmöglichkeiten von CRISPR/Cas</strong></h3>
<p>Das Verfahren wurde 2012 erstmals von der französischen Biochemikerin Emmanuelle Charpentier und ihrer US-Kollegin Jennifer Doudna beschrieben. Es ermöglicht Anwendungen zur gezielten Veränderung von Nutzpflanzen und im Bereich der medizinischen Forschung, z. B. zur Krebsentstehung. Auch genetische Erbkrankheiten wie Zystische Fibrose und Muskeldystrophie könnten damit behandelt werden, wenn es gelingt, die fehlerhaften Genabschnitte präzise auszuschalten. Durch Entfernung der Genome von Krankheitserregern ist auch denkbar, chronische Infektionskrankheiten wie HIV oder Malaria behandeln zu können. Im Fall von HIV ließen sich beispielsweise die Andockstellen der Viren auf den Zellen ausschalten.</p>
<p>In der Malaria-Forschung haben Studien bereits beschrieben, wie die Entfernung eines einzigen Gens im Genom der Mücke <em>Anopheles gambiae</em> diese gegenüber dem Malaria-Erreger <em>Plasmodium</em> resistent macht. Somit würde die Malaria-Mücke kein Krankheitsüberträger mehr sein. Es bleibt jedoch offen, ob die veränderten Organismen in der Natur in der Lage wären, mit ihren Wildtyp-Artgenossen zu konkurrieren.</p>
<h3><strong>Welche Gefahren gibt es?</strong></h3>
<p>Bei all den aussichtsreichen Perspektiven ist das Verfahren jedoch umstritten, da bereits eine geringe Fehlerrate fatale Folgen haben kann, wie etwa unkontrolliertes Zellwachstum. Auch können durch eine gezielte Veränderung von Keimzellen mit CRISPR/Cas eingebrachte Mutationen an Nachkommen weitergegeben werden. Potenziell auftretende Fehler können so für immer im Erbgut gespeichert sein. Auch optimierende Veränderungen werfen ethische Fragen auf.</p>
<h3><strong>Mutagenese – Zielscheibe getroffen?</strong></h3>
<p>Gentechnisch veränderte Organismen finden im Allgemeinen in der Öffentlichkeit wenig Akzeptanz. Die Entscheidung, durch Genome Editing hervorgegangene Organismen als GVO einzuordnen, stößt deshalb auf große Kritik in den Branchen der Biotechnologie und Pflanzenwissenschaften. Dabei könnten ihnen zufolge mit den neuen Verfahren Organismen gezielt so verändert werden, dass Organismen entstehen, wie sie auch natürlicherweise vorkommen. Da die Genschere vollständig abgebaut wird, sind im Gegensatz zu transgenen Organismen keine Fremdgene enthalten. Darüber hinaus seien die neuen Methoden zur Veränderung des Erbguts – verglichen mit bereits eingesetzten Mutagenese-Verfahren mittels Chemikalien oder ionisierender Strahlung – äußerst genau und zielgerichtet. Zuletzt genannte Verfahren bleiben jedoch weiterhin von der GVO-Richtlinie ausgenommen.</p>
<p>Mutagenese ist generell die artifizielle Erzeugung punktueller Änderungen im Genom eines biologischen Organismus. Sie entstehen auch ohne Eingriffe durch den Menschen, z. B. durch Sonnenlicht. Mutationen bringen neue Eigenschaften hervor. Daher werden sie seit Jahrzehnten in der Pflanzenzüchtung erwirkt – durch radioaktive Strahlung und chemische Substanzen. Man nennt diese Mutationen ungerichtet: Denn die Stellen im Erbgut, an denen die zahllosen Mutationen entstanden sind, kennt man nicht. Die neuen Gentechniken hingegen könnten laut der Biotechnologie-Branche eine erwünschte Mutation direkt und gezielt im Erbgut erzeugen.</p>
<p>Sicher ist, dass viele Mutanten natürlich entstehen können. Und: Es ist wünschenswert, vielen durch Mutationen verursachten Krankheiten, von Krebs bis zu Erbleiden, zielgerichtet und ohne Risiken entgegentreten zu können. Dabei sollte immer die Behandlung von Krankheiten im Fokus stehen. Denn es geht nicht um generelle Unversehrtheit der Menschen durch Eingriffe in die Keimbahn. Denn dies würde die menschliche Evolution beeinflussen. In Deutschland ist die Forschung an Embryonen generell verboten.</p>
<h3><strong>CRISPR/Cas auf dem Feld</strong></h3>
<p>In der molekularen Pflanzenzüchtung ist das Verfahren dann sicher und zielführend, wenn nur diejenigen Pflanzen verwendet werden, die genau die gewünschte Mutation tragen. So könnten Reissorten entstehen, die widerstandsfähig gegen Schädlinge oder Dürre sind. Gerade unter dem Aspekt des Klimawandels ist dies ein prospektiver Ansatz. Auch gibt es Ansätze zur Entwicklung neuer Kartoffel-Sorten. Sie sollen beim Anbraten einen geringeren Anteil an krebserregendem Acrylamid erzeugen, andere sollen resistent gegen die Knollenfäule sein.</p>
<p>In den USA gibt es bereits erste Freisetzungsversuche mit CRISPR-Pflanzen. In der Landwirtschaft wird das Verfahren vielerorts als Chance gesehen, im Hinblick auf die Sicherstellung der Ernährung sowie Nachhaltigkeit durch geringeren Wasser- und Pestizidverbrauch. Wichtig bei alledem ist, dass der Profit durch gentechnisch veränderte Pflanzen tatsächlich dort ankommt, wo er gebraucht wird: bei der Bevölkerung.</p>
<p>All diese Aspekte zeigen, dass Genom-Editierung wissenschaftlich fundierte klare Richtlinien braucht. Die Folgen des Urteils, sowie die Methoden und deren Chancen und Risiken sollten auch in der öffentlichen Gesellschaft stärker beachtet werden. Letztendlich muss man sich die Frage stellen: Für welche Zwecke sollten wir die Genschere einsetzen? Sicher nicht, um ein Baby nach Maß zu erzeugen.</p>
</div><div class="fusion-text fusion-text-2"><p>Auch interessant: <a href="https://redaktion-text-idee.de/nobelpreis-fuer-chemie-crispr-cas9/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nobelpreis für Chemie: Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas9 ausgezeichnet</a></p>
</div><div class="fusion-clearfix"></div></div></div></div></div>
<p>Der Beitrag <a href="https://redaktion-text-idee.de/crispr-cas/">CRISPR/Cas auf dem Europäischen Gerichtshof</a> erschien zuerst auf <a href="https://redaktion-text-idee.de">Redaktion Text Idee</a>.</p>
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